Halal-Zertifizierung
Mit einem von Sineb El Masrar geschriebenen Artikel weist der AK Polis auf seiner Webseite auf das Problem der Halal-Zertifizierungen hin. „Halal“ heißt in der islamischen Vorstellung „erlaubt“ (im Gegensatz zu „haram“, das verboten bedeutet). Diese Einteilung wird von (streng) gläubigen Muslimen vor allem, wenn es um Ernährung geht, beachtet; sie findet sich aber auch bei Kosmetik und selbst bei Finanzprodukten. Mittlerweile ist ein milliardenschwerer „Halal“-Markt entstanden. Geld verdienen lässt sich dabei zunächst mit der Zertifizierung der Waren. Wie in dem Artikel dargestellt, lassen sich auch große Firmen wie beispielsweise der Süßwarenhersteller Haribo bescheinigen, dass ihre Produkte „Halal“-Standards entsprechen. Auffällig oft würden solche Zertifikate von Organisationen ausgestellt, die der islamischen Rechten zugeordnet werden können. So ist Millî Görüş die laut Verfassungsschutzbericht größte „islamistische Organisation“ in Deutschland, Träger des Europäischen Halal Zertifizierungsinstituts; auch das Islamische Zentrum München und das mittlerweile verbotene Islamische Zentrum Hamburg nennt der Artikel in diesem Zusammenhang.
Dass die islamische Rechte mit dem Zertifizierungsgeschäft sich offenbar eine Einnahmequelle erschlossen hat, ist nur ein Teil des Problems. Gravierender noch erscheint, dass die islamistische Minderheit auf diese Weise Einfluss auf einen größeren Teil der hier lebenden Muslime gewinne und deren „Lebensführung, Identität und soziale Regeln“ prägen könne.
Der Artikel kann hier nachgelesen werden.
Parlamentarischer Nachmittag
Unter dem Titel Säkular. Solidarisch. Dialogbereit. fand am 16. Januar 2026 ein parlamentarischer Nachmittag im Deutschen Bundestag statt. Eingeladen hatte die SPD-Fraktion im Bundestag bzw. die Sprecherin für Säkularität und Humanismus, Kathrin Michel, MdB. Sie verwies in ihrer Begrüßung darauf, dass dies der erste Empfang zum Thema Säkularität und Humanismus im Deutschen Bundestag sei. Mit dieser Veranstaltung solle der Tatsache Rechnung getragen werden, dass immer weniger Menschen in Deutschland konfessionell gebunden seien. Gleichzeitig würde die gesellschaftspolitische Situation in Deutschland, Europa und der Welt viele Menschen verunsichern – ob mit oder ohne Religionszugehörigkeit. Deshalb wolle man dialogbereit sein, strittige Fragen diskutieren und so dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und den Frieden zu sichern. Gerade Säkularität sei der Schlüssel zum Erhalt der Demokratie. Sie bedeute nicht Feindschaft, sondern Trennung von Staat und Kirche. Sie ebne Werte nicht ein, sondern mache sie verhandelbar. Dies bedeute keinen Kulturrelativismus, sondern auch die Anerkennung von Unterschieden zwischen Kulturen. Dialogbereitschaft und Toleranz gäbe es jedoch nur mit denjenigen, die selbst dialogbereit und tolerant seien. Ziel des Dialoges sei es, das „Schwarz-Weiß-Denken“ aufzubrechen und dort miteinander zu sprechen, wo es gegenwärtig oft nur noch Hetze gebe. Dazu stünden drei zentrale Aufgaben an: 1. Klarheit im Recht schaffen; 2. Bildung modernisieren und 3. den Dialog stärken.
Zwei zentrale Themen waren für den weiteren Verlauf ausgewählt worden: die Staatsleistungen an die Kirchen und die Einbeziehung von säkularen bzw. humanistischen Organisationen in das Format der bisher ausschließlich interreligiösen Gespräche. Carsten Frerk (Forschungsgruppe Weltanschauung in der Giordano-Bruno-Stiftung) erläuterte zum ersten Thema die Position der Weimarer Verfassung, wie sie dann auch von der Bundesrepublik übernommen worden sei: für die Ablösung der Staatsleistungen seien die jeweiligen Bundesländer zuständig, nicht der Bund. Momentan gäbe es eine Intransparenz, wofür diese Gelder verwendet würden. Dies käme den jeweiligen Landesregierungen insofern entgegen, weil dann keine korrekten Abrechnungen notwendig seien. Außerdem sperrten sich die „Landesfürsten“ auch deshalb gegen eine Ablösung dieser Staatsleistungen, weil die finanzielle Verbesserung des Landeshaushaltes erst in ca. 15 Jahren zu erwarten sei (bis dahin müsse die Ablöse gezahlt werden, was teuer sei) und sie davon ausgingen, dass sie selbst dann nicht mehr an der Regierung seien, sie daher lieber jetzt von den geringeren Zahlungen profitieren wollen.
Beim zweiten Thema wurde eingefordert, nicht nur ständig auf den Islam zu schauen. Auch in den evangelischen Freikirchen gebe es Tendenzen, die sich gegen Selbstbestimmung von Menschen richten. Insgesamt müsse man viel stärker über die Kultur der Ähnlichkeit nachdenken, als über eine Kultur der Differenz. Allerdings auch klare Kante zeigen gegen alle, die antidemokratisch und gegen die Selbstbestimmung der Menschen handeln.
Insgesamt war es eine spannende Veranstaltung – mit nur einem Schönheitsfehler: es waren lediglich Anfragen an die ReferentInnen erlaubt, keine Diskussionen. Bei einer Weiterführung dieser wichtigen Debatten sollte dies berücksichtigt werden.
Viola Schubert-Lehnhardt
Laizismus-Tagung
Am 6. Dezember 2025 fand in Paris, ausgerichtet von der Féderation Nationale de la Libri Pensée, eine Tagung mit dem Titel „Journée de mobilisation laïque“ (Tag der laizistischen Mobilisierung) statt. Anlässlich des 120. Jahrestages der Verabschiedung des des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat hatten sich zahlreiche Vertreter:innen französischer säkularer Organisationen, aber auch internationale Gäste, eingefunden, um klar zu machen, dass die laizistische Bewegung für Freiheit und nicht für Unterdrückung und Rassismus steht.
Diese Perspektive spiegelt sich auch in der Abschlusserklärung wieder. Darin werfen die Teilnehmer:innen dem französischen Staat vor, sich vom Geist des Gesetzes von 1905 zu entfernen. Der universalistische Ansatz werde zunehmend überdeckt von identitären Komponenten. An die Stelle der „Säkularität der Autonomie“ sei die „Säkularität der Kontrolle“ getreten. Dabei gehe es nicht mehr darum, die staatlichen Einrichtungen vor religiöser Einflussnahme zu schützen, sondern im Namen von Homogenitätsvorstellungen den Bürgerinnen und Bürgern Vorschriften zu machen. Zwar sei die Idee eines gemeinsamen öffentlichen Raumes, der auf der Achtung der Freiheit anderer und der Suche nach gemeinsamen Interessen basiert, wichtig, aber dies müsse durch einen „Laizismus der Freiheit“ erreicht werden.
Die Abschlusserklärung in französischer Sprache kann hier hertuntergeladen werden.
Spendenaufruf
Der Humanistische Freidenkerbund Havelland hat zu Spenden für das mit dem Atheist Centre in Vijayawada verbundene Sozialwerk Arthik Samata Mandal aufgerufen. Die eingesammelte Betrag soll beim Besuch einer Delegation im südindischen Andra Pradesh im Februar 2026 übergeben werden.
Arthik Samata Mandal hat seinen Schwerpunkt auf der Erreichung der Gleichstellung von Männern und Frauen. Diese soll vor allem durch die Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen erreicht werden, sodass diese selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Mit den berufsvorbereitenden Bildungsprojekten wird eine selbstbestimmte und wirtschaftlich eigenständige Zukunft der jungen Frauen ermöglicht. Da es für dieses Ziel in Indien keine staatliche Förderung gibt, ist das Sozialwerk auf Spenden angewiesen.
Das Spendenkonto: Humanistischer Freidenkerbund Havelland, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE19 3702 0500 0003 3298 00, BIG: BFSWDE33XXX, Verwendungszweck: ASM-Frauenprojekt Indien 2026.
Beschwerde gegen ORF
Der Zentralrat der Konfessionsfreien in Österreich hat beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Besetzung des ORF-Publikumsrates eingelegt. Die Organisation kritisiert, dass nur die katholische und die evangelische Kirche dort einen Sitz haben, während andere Religionsgemeinschaften und vor allem die drei Millionen Konfessionslosen (knapp ein Drittel der österreichischen Bevölkerung) nicht vertreten sind. Die derzeitige Rechtslage verletze „die verfassungsrechtlich gebotene weltanschauliche Neutralität des Staates, den Gleichheitssatz und das Diskriminierungsverbot“. Ziel der Beschwerde ist es, dass entweder auch andere weltanschauliche Gruppierungen Sitze im Publikumsrat erhalten oder die beiden Sitze für die Kirchen gestrichen werden.
#FreeBetty
Das Kampagnenetzwerk Avaaz hat eine auch von den britischen Ex-Muslimen unterstützte Petition gestartet, die eine Begnadigung von Ibtissame Betty Lachgar zum Ziel hat. Sie sitzt derzeit eine zweieinhalbjährige Haftstrafe ab weil sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Allah is lesbian“ (Allah ist lesbisch) getragen hat. Darin ist ein klarer Verstoß gegen die Meinungs- und Glaubensfreiheit zu sehen. Die Kampagne richtet sich an den marrokanischen König, der die Möglichkeit einer Begnadigung hat. Die Zeit drängt, da Betty aufgrund einer Knochenkrebserkrankung fachmedizinisch behandelt werden muss.
Hier kann die Petition unterzeichnet werden:.
