MIZ 1/21

Aus dem Maschinenraum

50 Jahre MIZ - Rückblick und Ausblick

Editorial


(K)Ein Grund zum Feiern!

Christoph Lammers

Wenn ein so kleines Magazin wie das unsrige in das 50. Jahr seines Erscheinens geht, ist dies zunächst einmal ein Grund zum Feiern. Wer hätte zu Beginn der 1970er schon gedacht, dass aus dem anfänglich als Flugblatt gestarteten Projekt einmal ein politisches Magazin werden würde, welches in der säkularen Szene bis heute wichtige Akzente im Hinblick auf eine religionsfreie, humanistische und aufgeklärte Gesellschaft setzt? Wenn wir ehrlich sind, wohl die wenigsten.

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Schwerpunktthema

Cover MIZ 2/15 Sonderheft
Schwerpunktthema


Aus dem Maschinenraum
Im 50. Jahr ihres Erscheinens reflektieren ehemalige Redakteure und eine gegenwärtige Redactrice über 
die Zukunft der MIZ

Redaktion MIZ

Einmal im Jahr trifft sich die MIZ-Redaktion und plant: die näch­sten Schwerpunkte, die mittelfristige inhaltliche Ausrichtung, das Verhältnis von Heft und Webseite. Dazu werden dann oft auch ständige Mitarbeiter oder Aktivistinnen aus der Zeitschrift nahestehenden Verbänden eingeladen. Die letzten beiden Redak­tionstreffen fanden hingegen als Videokonferenzen statt. 
Und es zeigte sich: das „Tagesgeschäft“ lässt sich auf diese Weise gut besprechen, aber die Funken, die einen gemeinsamen kreativen Prozess ausmachen, sprühen nur sehr verhalten.

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Johann Gottfried Herder (1744-1803), Gemälde von Anton Graff, 1785
Schwerpunktthema


Serie: Aufklärung /// Herder – Wegbereiter des liberalen Protestantismus

Gerhard Rampp

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, wie stark die Ideen der Aufklärung von Teilen der lutherischen Kirche im frühen 19. Jahrhundert übernommen wurden, während die katholische Kirche bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) dafür fast völlig taub blieb. Eine bedeutende Rolle bei der Liberalisierung des Protestantismus spielte der Theologe, Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder.

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Staat und Kirche

Screenshot Kirchenaustritt
Staat und Kirche


Grundrecht in der Warteschleife
In der Pandemie ist Kirchenaustritt ein Geduldsspiel

Gunnar Schedel

In Deutschland hat der Austritt aus einer Religionsgemeinschaft, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts geführt wird, einen „öffentlich-rechtlichen“ Charakter. Es reicht also nicht, einen eingeschriebenen Brief an Pfarrer oder Kirchenvorstand zu schicken – der Vereinsaustritt muss persönlich vor einer 
staatlichen Stelle erfolgen. Doch diese sind während der Corona-Pandemie nur eingeschränkt zugänglich – wodurch sich die Kirchenmitgliedschaft um Monate verlängern kann.

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Echte Nächstenliebe – Caritas und Diakonie stellen sich quer bei der branchenweiten Lohnerhöhung für Pflegekräfte, Foto: pixabay.com
Staat und Kirche


Verbohrt + unsozial = Caritas + Diakonie

Corinna Gekeler

Die Caritas hat einen branchenweiten Tarifvertrag für die Alten­pflege verhindert. Caritas und Diakonie halten die Ideologie vom Dritten Weg aufrecht, koste es Andere was es wolle. Betroffene, ver.di und andere an den Verhandlungen Beteiligte sind stinksauer und starten Aktionen, damit der Beschluss zurückgenommen wird.

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Mehr als 500 Millionen Euro erhalten die Kirchen jedes Jahr vom Staat als Ausgleich für Territorialverluste zu Feudalzeiten, Foto: Daniela Wakonigg
Staat und Kirche


Mythen um Moneten
Sind die Kirchen Opfer der Demokratie?

Vera Muth

Der Entwurf eines Grundsätzegesetzes zur Ablösung der Staats­leistungen, den die Fraktionen von FDP, Bündnis90/Die Grünen und der Linken vor über einem Jahr in den Bundestag eingebracht haben, ist Anfang Mai 2021 mit den Stimmen von Union, SPD und AfD abgelehnt worden. Obwohl damit der Verfassungsauftrag, Staat und Kirche in diesem Punkt finanziell zu entflechten, weiterhin unverwirklicht bleibt, äußerten sich säkulare Stimmen zufrieden.

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Staat und Kirche


Kirchentagsfinanzierung

Redaktion MIZ

Nach Berechnungen des Aktionsteams 11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen! wurde der diesjährige Ökumenische Kirchentag, der im Mai in Frankfurt stattfand, mit einem auffällig hohen Betrag pro Teilnehmer gefördert. Die öffentliche Hand habe, so Sprecher Maximilian Steinhaus, pro Besucher des Ereignisses 48,48 Euro zugeschossen. Diese Summe sei vergleichsweise hoch, sie betrage etwa das Zehnfache des Pro-Kopf-Zuschusses zu den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit, die ebenfalls in Frankfurt stattgefunden hatten.

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Staat und Kirche


Karrierebremse Kruzifix

Redaktion MIZ

Im Mai stand die Wahl eines neuen Präsidenten des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofes an. Die CDU hatte dafür Andreas Heusch vorgeschlagen. Dieser ist säkularen Kräften in schlechter Erinnerung, denn als Präsident des Verwaltungsgerichts Düsseldorf hatte er im Jahr 2010 am Tag der Deutschen Einheit ein deutlich sichtbares Kreuz aus Resten des ehemaligen Grenzzauns zwischen Ost- und Westdeutschland im Haupttreppenhaus des Gerichtsgebäudes aufhängen lassen.

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Prisma

Im Iran wurden seit der Islamischen Revolution – je nach Quelle – allein 4.000 bis 6.000 Menschen wegen Homosexualität hingerichtet. Bei den Massakern in den Gefängnissen wurden 1988/89 zwischen 10.000 und 15.000 Oppositionelle ermordet, Foto: pixabay.com / CC0
Prisma


Wie hat Deutschland abgestimmt?
Offener Brief anlässlich der Wahl des Iran in die 
UN-Kommission zur Rechtsstellung der Frau

Redaktion MIZ

Der Iran ist im April in die UN-Kommission zur Rechtsstellung der Frau gewählt worden. Deren Aufgabe ist es, für Geschlechter­gerechtigkeit und eine strukturelle Förderung von Frauen zu sorgen. Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime Deutschland und Rebecca Schönenbach von Frauen für Freiheit haben Zweifel, ob der Iran hierbei einen Beitrag leisten kann, und stellen die Frage, wer für die Wahl verantwortlich ist. Die MIZ dokumentiert ihren Offenen Brief an den Bundesaußenminister und den Ständigen Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York.

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Hat die Giraffe einen langen Hals, weil sich ihre Vorfahren nach Blättern in hohen Bäumen strecken mussten?, Foto: pixabay.com
Prisma


Was kann die Erweiterte Evolutionäre Synthese leisten?
Teil 1: Grundsätzliche Klärungen zum Thema Evolutionstheorien

Thomas Waschke

Schon seit Urzeiten hat sich die Menschheit Gedanken darüber gemacht, wie es zu der Vielfalt der Organismen auf der Erde gekommen ist. Zunächst gab es dazu Erklärungsversuche auf religiöser Grundlage, die im Rahmen metaphysischer Spekulationen blieben. In unserem Kulturkreis war die biblische Botschaft vorherrschend: In der Gegenwart finden wir die unveränderlichen Arten so, wie sie Gott erschaffen hat. Beobachtungen auf Entdeckungsreisen in alle Welt und parallel dazu die Erkenntnis, dass Fossilien die Reste ehemaliger Lebensformen darstellen, führten dazu, dass diese Vorstellung vermehrt bestritten wurde.

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