MIZ 4/20

Kulturkampf - Relikt von vor 150 Jahren?

Historische und aktuelle Konjunkturen

Porträt Gunnar Schedel, Foto: privat
Editorial


Bequeme Opferrolle

Gunnar Schedel

„Kulturkampf“ hat sich als langlebi­ger Begriff erwiesen. Auch 150 Jahre nach seiner ersten Verwendung kommt er noch zum Einsatz, in den Medien wie auch in Verlautbarungen politischer Akteure.

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Schwerpunktthema

„Ungeziefer“? Kultusminister Falk vertreibt Jesuiten und andere Orden aus Deutschland, in: Berliner Wespen, 21.5.1875
Schwerpunktthema


In sieben Schritten den „Kulturkampf“ (1871-1887) verstehen

Olaf Blaschke

Aus den Schulbüchern ist uns der Kulturkampf als Konflikt zwi­schen Staat und Kirche in Erinnerung. Gerne wird er personalisiert als Streit, den Reichkanzler Otto von Bismarck vor 150 Jahren mit Pius IX. und der Zentrumspartei entfesselte. Erzählt wird er standardmäßig entlang der Gesetze und Maßnahmen, die auf die katholische Kirche zielten. Darauf indes sollte er nicht reduziert werden. Inzwischen betrachtet ihn die Forschung nicht mehr nur aus politikgeschichtlicher Warte, sondern erkennt ihn als weitaus vielschichtiger. Insgesamt lassen sich sieben Konfliktdimensionen unterscheiden. Durchwandern wir diese Ebenen in sieben Schritten, gewinnen wir ein differenziertes Verhältnis des Kulturkampfes.

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Porträt Christoph Antweiler, Foto: privat
Schwerpunktthema


„Menschen leben nicht in verschiedenen Welten, sondern verschieden in der einen Welt“
Ein Gespräch mit Christoph Antweiler über die Begriffe Kultur 
und Kulturkampf

Redaktion MIZ und Christoph Antweiler

Kulturkampf ist ein nicht selten genutzter Begriff. Er findet oft dann Anwendung, wenn Meinungsbilder und Einstellungen oder Sozialisation und Lebensweisen im Widerspruch zueinander beschrieben werden sollen. Was meint Kultur? Was will ein „Kampf der Kulturen“ heraufbeschwören oder wie ist ein „Kampf um Kultur(en)“ oder Identität(en) zu verstehen? Dazu sprach die MIZ mit dem Ethnologen Christoph Antweiler.

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Staat und Kirche

Mehr als 500 Millionen Euro erhalten die Kirchen jedes Jahr vom Staat als Ausgleich für Territorialverluste zu Feudalzeiten, Foto: Daniela Wakonigg
Staat und Kirche


Kirchenfinanzierung auf die linke Tour

Gerhard Rampp

Die schwindende Mitgliederzahl der Kirchen wird zu sinkenden 
Einnahmen führen. Eine Zukunftsstudie, die kürzlich von Experten 
der Universität Freiburg zusammen mit Kirchenvertretern er­arbeitet wurde, geht davon aus, dass sich die Kirchenmitglieder­zahl bis 2060 halbieren wird. Die Kirchensteuereinnahmen werden nominell mit 12 Milliarden Euro zwar gleich bleiben, aber in der Kaufkraft ebenfalls um die Hälfte absinken. Allerdings geht diese Studie, die auf den Daten von 2017 beruht, von optimistischen Annahmen aus, die inzwischen korrekturbedürftig sind.

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Prisma

Silvester 2015 fand vor dem Kölner Bahnhof ein Gewaltexzess gegen Frauen statt, Foto: pixabay.com
Prisma


Warum Silvester 2015 auf die Tagesordnung muss

Rebecca Schönenbach

Fünf Jahre nach dem Gewaltexzess gegen Frauen in Köln erscheinen eine Reihe von Bilanzen. Es wird betont, dass Racial Profiling 
kritisiert worden sei, und die Polizei daraufhin ihre Strategie um­gestellt habe. Die negativen Auswirkungen auf die Willkommens­kultur werden ebenso bedauert wie die Hetzkampagnen durch Rassisten. Auch die geringe Zahl der Verurteilungen wird erwähnt und die Entschuldigung des jetzigen NRW-Ministerpräsidenten für das Staatsversagen gegenüber den Frauen am Kölner Bahnhof. Ansonsten tauchen die Opfer kaum auf. Es gibt keine Berichte über die psychischen Folgen und die Auswirkungen auf das Leben der Frauen – ebenso wenig wird über die Täter berichtet.

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Porträt Cinzia Sciuto
Prisma


„Eine formale Trennung zwischen Staat und Religionen reicht nicht aus“
Ein Gespräch mit Cinzia Sciuto über Multikulturalismus 
und Laizität

Sciuto Cinzia

Bunt und vielfältig soll das Leben sein und die Gesellschaft soll diesen Anspruch abbilden. Vielen gilt dabei das Konzept des „Multikulturalismus“ als Gegenmodell zu völkischen Vorstellungen vom homogenen Nationalstaat. Doch bei genauerem Hinsehen erweist sich der Ansatz als problematische Sackgasse. MIZ sprach mit der Philosophin Cinzia Sciuto über universelle Menschenrechte, religiöse Privilegien und ein zukunftsträchtiges Aufklärungsprojekt.

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