MIZ 1/22

Erzwungene Aufarbeitung

Die katholische Kirche und der Missbrauchskandal

Editorial


Vertrauensverlust

Frank Welker

Es sind düstere Zeiten. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die immer noch anhaltende Pandemie und die Klimakrise bringen die Menschheit derzeit an den Rand des Abgrunds. Von solch unsicheren Zeiten profitieren normalerweise religiöse Sinnanbieter, da diese einfache Antworten auf schwierige Fragen geben können. Doch anders als die Heilsversprechen der quer denkenden Verschwörungstheoretiker finden die Antworten der beiden großen Kirchen keinerlei Gehör mehr. Insbesondere die katholische Kirche steht derzeit selbst am Abgrund und dafür ist sie in erster Linie selbst verantwortlich.

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Schwerpunktthema

Kunstinstallation der Aktionsgruppe 11. Gebot in Leipzig, Foto: David Farago
Schwerpunktthema


Aufarbeitung innerkirchlichen Missbrauchs

Jörg Scheinfeld

Die Katholische Kirche ist weltweit erschüttert worden vom sexuel­len Missbrauch, den Kleriker und andere Kirchenleute an ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen begangen haben. Während in manchen Ländern wie Spanien und Frankreich unabhängige Un
tersuchungskommissionen die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs unternehmen, will die Kirche dies hierzulande in Eigen­regie leisten. Dazu beauftragt sie insbesondere externe Gutachter mit juristischem Sachverstand. Zwei prominente Beispiele bieten die Gutachten der Kanzleien Gercke/Wollschläger zum Miss­brauchs­geschehen im Erzbistum Köln und Westphal/Spilker/ Wastl zu dem Geschehen im Erzbistum München und Freising. Sie sind zugleich Belege für unterschiedlichen Erfolg solcher Untersuchungen.

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Aktion gegen die Finanzierung des Katholikentages in Münster aus öffentlichen Mitteln, Foto: David Farago
Schwerpunktthema


David gegen Goliath

David Farago

Seit 2014 engagiert sich David Farago als Aktionskünstler gegen die staatliche Finanzierung von Kirchentagen und die mangelnde Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Für die MIZ hat er nun seine ganz persönlichen Erfahrungen im Kampf gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens zu Papier gebracht. Er nimmt uns mit auf eine schmerzliche Reise, geprägt von Leid aber auch von der Hoffnung, die Dinge verändern zu können.

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Staat und Kirche

Offener Brief DEVI
Staat und Kirche


Keine Dokumentationsstelle für religiös motiviertes Mobbing in Berlin

Gunnar Schedel

Wer sich öfter mal mit Lehrkräften oder Menschen, die im weiten Feld der Sozialen Arbeit tätig sind, unterhält, kennt das Problem seit etwa zwei Jahrzehnten: Religiöse Unduldsamkeit kehrt in den Alltag zurück. Wer die Situation über Einzelfälle hinaus anspricht, darf sich heftiger Attacken sicher sein. Als jüngstes Beispiel dafür kann die Debatte um die vom Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung (DEVI e.V.) erstellte Bestandsaufnahme Konfrontative Religionsbekundungen in Neukölln gelten.

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Prisma

Tagung "Gemeinsame Kämpfe im Exil" in Halle, Foto: Nicole Thies
Prisma


„Den Diskurs in Realität übergehen lassen“
Die Suche nach einer politischen Strategie des Säkularismus

Romo Runt

Ende März fand in Halle eine Fachtagung zum Thema „Gemeinsame Kämpfe im Exil: Säkularismus und Feminismus“ statt. Dabei diskutierten feministische und säkulare Aktivist:innen, wie es gelingen könnte, eine Strategie zu finden, ein universalistisches Verständnis der Menschenrechte in die politische Offensive zu bringen. Vor allem die im Exil lebenden Teilnehmer:innen drängten dabei darauf, die Auseinandersetzung wirklich als Kampf zu verstehen.

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Masih Alinejad, Foto: Masih Alinejad
Prisma


„Sie weigern sich, den Familien der Opfer ein Visum zu geben“
Ein Gespräch mit Masih Alinejad über Verschleierung, Widerstand und die Heuchelei westlicher Politik

Masih Alinejad und Teresa Hofmann

Obwohl Masih Alinejad den Iran vor vielen Jahren verlassen musste, ist sie für die Islamische Republik ein Problem. Mit ihrer Social Media-Kampagne My Stealthy Freedom gab sie tausenden Iranerinnen eine Plattform für deren Protest gegen die Zwangsverschleierung. Anlässlich des Erscheinens ihrer Autobiographie „Der Wind in meinem Haar“ in deutscher Sprache 
hat sich Teresa Hofmann mit der Aktivistin unterhalten.

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Täterinnen und Täter aus islamischen Gemeinschaften gaben überwiegend an, das Opfer sei “zu westlich” geworden, Foto: Martino Pietropoli on Unsplash
Prisma


Sogenannte Ehrenmorde sind 
keine Femizide

Rebecca Schönenbach

In Berlin findet zurzeit ein Prozess gegen zwei Brüder statt, die angeklagt sind, ihre Schwester ermordet zu haben. Die Familie stammt aus Afghanistan, die Schwester lebte mit ihren Kindern in Berlin, die beiden Brüder besuchten sie häufig am Wochenende. Maryam H. hatte sich in Deutschland von ihrem Ehemann scheiden lassen. Sie war mit 16 Jahren an den ihr bis zu jenem Zeitpunkt unbekannten Mann verheiratet worden, der ihr wiederholt Gewalt antat. Ihre Brüder wiederum verbaten ihr nach der Trennung eine Liebesbeziehung, verlangten, dass die Tochter im Grundschulalter ein Kopftuch trage und versuchten, Maryams Leben bis ins Kleinste zu kontrollieren.

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Querdenker*innen sind 2020 keineswegs aus dem Nichts entstanden, Foto: Markus Spiske on Unsplash
Prisma


Die Spaziergänge der Anthroposophen, Evangelikalen und Reichsbürger

Herbert Thomsen

Querdenker*innen sind keineswegs in den Jahren 2020 und 2021 aus dem Nichts entstanden und haben sich auf den Straßen zufällig mit Reichsbürgern und Rechtsradikalen zu Demonstrationen und Spaziergängen getroffen. Eine wesentliche weltanschauliche Wurzel der Querdenker ist das Milieu der Anhänger der Anthroposophie, einer von Rudolf Steiner ins Leben gerufenen religiösen esoterischen Lehre. Der Kern dieser anthroposophisch religiösen Bewegung sind die Anthroposophischen Institute, die „Christengemeinschaft“ und die der „Waldorfpädagogik“ zuzurechnenden Schulen und Kindergärten. Die „Christengemeinschaft“ hat in der Bundesrepublik ca. 10.000 Mitglieder und 50.000 „Freunde“ in 140 Gemeinden. In der Anthroposophie ist eine Ablehnung von Impfungen tief verwurzelt.

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Die sogenannten Entwicklungsgene sind dafür verantwortlich, dass ein Körper mit den entsprechenden Organen entsteht. Diese Gene kommen in sehr ähnlicher Form bei sehr unterschiedlichen Tieren vor, Fotos: Pixabay CC0
Prisma


Was kann die Erweiterte Evolutionäre Synthese leisten?
Teil 5: Evolutionäre Entwicklungsbiologie (EvoDevo) — 
die Rückkehr des Organismus in die Evolutionsbiologie

Thomas Waschke

So gut wie alle mehrzelligen Lebewesen durchlaufen eine Individualentwicklung (Ontogenese, im folgenden Text als ‘Entwicklung’ bezeichnet): Aus einer befruchteten Einzelle oder einem Gewebe entsteht in einem komplizierten Prozess, an dem sowohl Gene als auch die Umwelt beteiligt sind, ein Körper mit bestimmten Merkmalen. Die Evolutionäre Entwicklungsbiologie, kurz EvoDevo (vom Englischen Evolutionary Developmental Biology), entstand als eine interdisziplinäre Forschungsrichtung, die sich mit dem Zusammenhang zwischen den Fragen, wie sich Embryonen zu adulten Organismen entwickeln (englisch ‘development’) und wie diese Mechanismen im Lauf einer über lange Zeiten abgelaufenen Evolution entstanden sind, befasst. Für diese Artikelserie ist aber vor allem wichtig, welche Bedeutung die so gefundenen Mechanismen für die Struktur von Evolutionstheorien haben.

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