Blätterwald | Veröffentlicht in MIZ 1/26 | Geschrieben von Redaktion MIZ

Blasphemische Karikaturen / Selbstbestimmungsgesetz / Freidenkerblätter / Kortuzes-Symposium

Blasphemische Karikaturen

In den 1990er Jahren prägte Rolf Heinrich als Chefredakteur diese Zeit­schrift. Seine Karikaturen auch später noch in der MIZ zu sehen. Nun ist sein zweites Buch erschienen: Teuflisch!, das Karikmizaturen und Aphorismen vereint. Auf konfessionen.org spricht Heinrich im Interview über sein Werk, das er verstanden wissen möchte „als ‘Tritt in den Arsch’ der mittlerweile über 50 Prozent Konfessionslosen in Deutschland, ... nicht immer aus Bequemlichkeit zur ‘Religion im Alltag’ zu schweigen“. Seine Kritik richtet sich sowohl grundsätzlich gegen Religion als Ideologie („ein Fremdkörper, der künstlich durch deren Kultdiener implementiert wird“) als auch konkret gegen den politischen Einfluss der Kirchen und deren staatliche Unterstützung.

Alle, die den unverwechselbaren Rolf-Heinrich-Stil mögen, können sich teuflisch auf rund 50 Karikaturen freuen. Die anderen können sich darüber aufregen.

Rolf Heinrich: Teuflisch! Blasphemische Karika­turen und Gedanken. Neu-Isenburg: Lenz, 2026. 127 Seiten, kartoniert, Euro 18.-, ISBN 978-3-69253-004-8

Selbstbestimmungsgesetz

Lebhafte Diskussionen hat eine 26-seitige Stellungnahme der Gior­dano-Bruno-Stiftung (gbs) zum Selbst­bestimmungsgesetz von 2024 ausgelöst. Der Ende Mai veröffentlichte Text sieht das neue Gesetz als deutlichen Fortschritt gegenüber dem „Trans­sexuellengesetz“ (1981) an. Gleich­wohl könnten „Selbstbestimmung und Schutzfunktionen“ in Konflikt miteinander geraten, eine „exakte Welt­beschreibung“ (Naturwis­sen­schaft) und ein „fairer Interessen­aus­gleich“ (Recht) müssten in Einklang gebracht werden. Im Abschnitt „Biologie und Geschlechtsbegriff“ wird gezeigt, dass die oft als Gegensatzpaar verstandenen Begriffe „biologisch“ und „sozial“ nicht kompatibel seien mit den „weithin graduellen Grundlagen und Ausprägungen vielfältigster Lebensformen“. Dann werden die Bestimmungen von 1981 einer grundlegenden Kritik unterzogen. Schließlich wird die Kritik am neuen Selbstbestimmungsgesetz erörtert und auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft. Am Ende steht ein klares Bekenntnis zur Möglichkeit, den Geschlechtseintrag ohne großen Aufwand zu ändern. Darin zeige sich auch „eine begrüßenswerte Abkehr von religiös geprägten Normen“.

Der Philosoph Sebastian Schnelle ent­gegnet in einem Beitrag im Humanis­tischen Pressedienst, der Versuch „einerseits die Selbstbestim­mung von Transpersonen anzuerkennen und an­dererseits an einem objektiven Ge­schlechtsbegriff festzuhalten“, sei gescheitert. Zudem kritisiert er, „dass die umfangreiche philosophische Literatur zu diesem Thema“ nicht berücksichtigt worden sei und somit eine wichtige Perspektive fehle.

Thorsten Barnickel / Jessica Hamed / Michael Schmidt-Salomon / Volker Sommer: Von Fremd- zu Selbstbestimmung. Warum das Ende des Transsexuellengesetzes überfällig war. Stellungnahme der Giordano-Bruno-Stiftung, Oberwesel 2026. (Die Broschüre kann als pdf auf der Webseite der Giordano-Bruno-Stiftung kostenlos heruntergeladen werden.)

Freidenkerblätter

Im Januar ist ein neues Heft in der Reihe Freidenkerblätter erschienen. Darin geht es um einen deutschen Säulen­heiligen. Konrad Adenauer konnte auf eine lange politische Karriere zurückblicken, auf deren Höhepunkt er zum ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Werner Rügemer beschreibt ihn in seiner kurzen, sehr kritischen biographischen Skizze als einen Opportunisten, in dessen Karriere es nur zwei Konstanten gab: einen erzkonservativen Katholizismus und eine unverbrüchliche Treue zu den Interessen des Kapitals.

In Schlaglichtern führt der Autor von Adenauers Aufstieg im Kaiserreich bis in die junge Bundesrepublik. Dem Nationalsozialismus gegenüber wahrte Adenauer eine gewisse Distanz, vom Widerstand gegen das NS-Regime allerdings hat er sie noch weiter ferngehalten. Rügemers Fazit: „Auch die Zerstörung der Adenauer-Legenden gehört zum Aufbau eines demokratischen, friedlichen, sicheren, wohlständigen Deutschland und Europa – im Kontext einer multipolaren Weltordnung, zu deren Menschenrechten aus die Arbeits- und Sozialrechte gehören.“

Werner Rügemer: Adenauer. Der christliche Lügner. Freidenkerinnen & Freidenker Ulm/Neu-Ulm, 2026. 29 Seiten, geheftet, Euro 3,50

Kortizes-Symposium

Mit etwas Verspätung ist die Doku­mentation des Kortizes-Symposiums von 2024 erschienen. Unter dem Titel Im Keller des Geistes befassen sich neun Aufsätze und ein Interview mit der Frage, welche Bedeutung des Unbewusste für unser Denken und Handeln hat. „Die bewussten Inhalte unseres Erlebens haben eine unbewusste Grundlage und eine vorbewusste Entstehungsgeschichte“, schreibt Mitherausgeber Helmut Fink in der Einleitung. Der Maschinenraum des Geistes liege also eher im Keller als in der Beletage der großen Gefühle und geistreichen Einfälle. Die Beiträge beschäftigen sich mit der Arbeitsteilung zwischen Bewusstem und Unbewusstem und der materiellen Basis. Im Einzelnen geht es unter anderem um visuelle Informationsverarbeitung und Geruchssinn, um Schlafen und träumen, und Identität und Selbstverständnis.

Helmut Fink / Rainer Rosenzweig (Hrsg.): Im Keller des Geistes. Gehirn, Psyche und die Leistungen des Unbewussten. Hamburg 2026, 187 Seiten, kartoniert, Euro 19,80, ISBN 978-3-948787-13-4