Jan-Heiner Tück (Hrsg.): Wiederkehr der Säkularisierung? Der Streit um die religiöse Indifferenz. Freiburg im Breisgau: Herder Verlag 2026, 191 Seiten, gebunden, Euro 22.-, ISBN 978-3-451-02551-8
Der Titel hat mich als Atheistin neugierig gemacht – wieso „Wiederkehr der Säkularisierung“? Gab es sie mal und dann war sie weg – oder was ist gemeint? Der Herausgeber greift in seinem „Präludium zu einer vielstimmigen Debatte“ diese Frage auf und stellt sie ins Zentrum der publizierten Beiträge. Die Stimmen in dieser innertheologischen Diskussion reichen von „Säkularisierung sei anhaltend“, „sie verstärke sich sogar, daher könne sie nicht wiederkehren“ bis hin zu: „die christliche Religion habe viele Gesichter und Formen, daher könne man von einer Wiederkehr der Säkularisierung nicht sprechen“.
In den folgenden Beiträgen wird dieser christliche Kontext durchaus verlassen und zu Recht darauf verwiesen, dass sich die Situation im globalen Maßstab unterschiedlich darstelle. Während aus dem eingeengten europäischen Blickwinkel von „Untergangsszenarien“ gesprochen wird, sähen die Zahlen in afrikanischen oder asiatischen Ländern anders aus. Zutreffend schreibt Tück: „Allzu viele neigen dazu, Befunde aus Deutschland als repräsentativ für Europa oder gar die Welt insgesamt zu halten…“ (S. 17/1). Diese Ängste vor dem Rückgang des Einflusses christlicher Religionen bzw. der Bedeutung von Theologie und Kirche und die im Buch aufgeworfene Frage „wie sollen Kirche und Theologie darauf reagieren, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr danach fragen, worauf das Evangelium antwortet“, sind nicht mein Problem und sollen daher hier auch nicht besprochen werden.
Interessant für mich war dagegen der Beitrag von Detlef Pollack zur Auseinandersetzung mit „theologischen Strategien zur Bestreitung der Säkularisierungsthese“. Auch das abgedruckte Gespräch zwischen Friedrich Wilhelm Graf (einem der Kritiker von Pollack, er zweifelt insbesondere die Plausibilität bzw. Repräsentanz der von Pollack und anderen vorgelegten soziologischen Studien an) und dem Herausgeber ist lesenswert. Ansonsten ist das Buch eher eine Selbstvergewisserung von Theologen in für sie schwierigen Zeiten.
Viola Schubert-Lehnhardt
