Buchbesprechung | Veröffentlicht in MIZ 2/26 | Geschrieben von Viola Schubert-Lehnhardt

Ralf Schöppner (Hrsg.) Humanistische Lebensbegleitung in Krisenzeiten

Ralf Schöppner (Hrsg.) Humanistische Lebens­begleitung in Krisenzeiten. Perspektiven des zeitgenössischen Humanismus. Wege in die Praxis; de Gruyter, Berlin 2026, 173 Seiten, kartoniert, Euro 29,95, ISBN 978-3-11-914448-3

Das vorliegende Buch ist der erste Band der im Untertitel genannten Reihe der Humanistischen Hochschule Berlin. Die enthaltenen Beiträge gehen sowohl auf Vortragsveranstaltungen und Workshops an der Hochschule sowie auf die Tagung „Lebenskunst und Krisenbewältigung“ zurück.

Das Werk gliedert sich in zwei Teile: Konzeptionelle Überlegungen und Praxisbereiche. „Gemeinsam ist den Texten der Versuch“, so der Herausgeber, „vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krisenerfahrungen Umgangs­optionen in Kontexten humanistischer Lebensbegleitung zu bedenken, ohne die Komplexität und die strukturelle Verfasstheit der Krisen aus dem Blick zu verlieren“ (S. 4/5).
Der erste Teil beginnt mit einer Analyse Phil Zuckermans zu Differen­zen in den politischen und moralischen Ansichten von religiösen und nichtreligiösen Menschen. Dabei greift er interessanterweise Studien auf, nach denen religiösen Menschen in den USA der Obrigkeitsgehorsam wichtiger ist als die Rücksichtnahme auf andere. Es folgt 
ein Beitrag von Günter Gödde zu therapeutischer Selbstsorge und kritischer Lebenskunst, in dem er verschiedene Projekte dieser vorstellt und analysiert. Resilienz als ethisch-normatives Projekt wird von Matthias Lindner und Dorothea Winter besprochen. Dabei 
arbeiten sie insbesondere heraus, dass Resilienz zunehmend individualisiert wird, d.h. aus der gesellschaftlichen Verantwortung geschoben. Im 21. Jahr­hundert zeige sich dies in einem neuen Verständnis von sozialer Arbeit.
Alexander Bisch­kopf und Matthias Lindner, mit deren Beitrag der zweite Teil des Buches beginnt, untersuchen deren Beeinflussung durch religiöse und weltanschauliche Über­zeugungen. Für HumanistInnen ergäbe sich hier der latente Ver­dacht, dass im sozialarbeiterischen Bereich in kirchlicher Trägerschaft missioniert werden soll. Ebenfalls im praktischen Teil findet sich ein weiterer Beitrag von Dorothea Winter zu ChatGPT bzw. der „Philosophie und das Ringen um Wahrheit“, denn KI-Systeme etablierten eine neue Form der Abhängigkeit. Den Abschluss bildet Ulrike Dausel, die in ihrer „Entde­ckungsreise“ u.a. danach fragt, ob es eine humanistische oder säkulare Spiritualität gibt.