Kaum ein anderer lebender Philosoph hat das intellektuelle Klima so geprägt wie Jürgen Habermas. Seit über sechs Jahrzehnten steht sein Name für den Versuch, die Moderne zu verstehen, ohne sie aufzugeben – für eine Vernunft, die sich selbst befragt, statt sich selbst zu entmachten. 1929 geboren, geprägt von Krieg, Wiederaufbau und der geistigen Orientierungssuche der Nachkriegszeit, war Habermas stets überzeugt: Die Moderne lebt nicht vom Glauben, sondern vom Gespräch – von vernünftiger Auseinandersetzung unter Freien und Gleichen. Doch gerade hier zeichnen sich Spannungen ab: Dort, wo Habermas im Laufe der letzten Jahre die Religion wieder ins Spiel brachte, um den moralischen Zusammenhalt der Gesellschaft zu retten, öffneten sich Widersprüche.
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