Jürgen Habermas (1929–2026) gilt als einer der zentralen politischen Philosophen der Bundesrepublik Deutschland. Die Aufnahme zeigt ihn bei einem Vortrag an der Humboldt-Universität 2011. (Foto: Nikolas Becker, Wikipedia, https://creativecommons. org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)
Schwerpunktthema MIZ 1/26

Jürgen Habermas und die Verteidigung der Vernunft

Christoph Lammers

Kaum ein anderer lebender Philosoph hat das intellektuelle Klima so geprägt wie Jürgen Habermas. Seit über sechs Jahrzehnten steht sein Name für den Versuch, die Moderne zu verstehen, ohne sie aufzugeben – für eine Vernunft, die sich selbst befragt, statt sich selbst zu entmachten. 1929 geboren, geprägt von Krieg, Wiederaufbau und der geistigen Orientierungssuche der Nachkriegszeit, war Habermas stets überzeugt: Die Moderne lebt nicht vom Glauben, sondern vom Gespräch – von vernünftiger Auseinandersetzung unter Freien und Gleichen. Doch gerade hier zeichnen sich Spannungen ab: Dort, wo Habermas im Laufe der letzten Jahre die Religion wieder ins Spiel brachte, um den moralischen Zusammenhalt der Gesellschaft zu retten, öffneten sich Widersprüche.

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Johann Gottfried Herder (1744-1803), Gemälde von Anton Graff, 1785
Schwerpunktthema MIZ 1/21

Serie: Aufklärung /// Herder – Wegbereiter des liberalen Protestantismus

Gerhard Rampp

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, wie stark die Ideen der Aufklärung von Teilen der lutherischen Kirche im frühen 19. Jahrhundert übernommen wurden, während die katholische Kirche bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) dafür fast völlig taub blieb. Eine bedeutende Rolle bei der Liberalisierung des Protestantismus spielte der Theologe, Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder.

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Bereits die Alten Griechen zweifelten am Wahrheitsgehalt religiöser Vorstellungen, Foto: Pixabay
Schwerpunktthema MIZ 4/19

Aufklärung & Kritik als zentrale Komponenten alteuropäischer Identität

Hermann Josef Schmidt

Angesichts modischen Geredes, Europa sei in ausschlaggebender Weise determiniert durch seine christlich-jüdische Prägung, kann nicht oft genug wiederholt werden, dass, wie seit vielen Jahrzehnten bekannt und längst aufgearbeitet,1 die für europäisches Denken sowie spezifische europäische Identität entscheidenden Quellen historisch bei weitem früher, nämlich im 8. bis 5. Jahrhundert vor unserer kuriosen Zeitrechnung, und geographisch im großgriechischen Kulturraum zwischen der kleinasiatischen Mittelmeerküste und Unteritalien sowie Sizilien anzusetzen sind.

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